Lecture

Hierarchien, Peripherien, Strategien: Verwaltungsstrukturen zur DDR-Popularmusik als Forschungsfeld

Vortrag bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung

Im Herrschaftsalltag von Diktaturen sind Verwaltungsstrukturen von entscheidender Bedeutung, um die Staatsideologie in praktische Politik umzusetzen. In der DDR entstand dabei im Verlauf von vier Jahrzehnten ein Labyrinth von Institutionen, unklaren Zuständigkeiten, persönlichen Rivalitäten und Widersprüchen zwischen ideologischem Anspruch und praktischer Umsetzbarkeit. Künstler:innen wiederum versuchten die Unübersichtlichkeit der Verwaltungsabläufe nach Möglichkeit zu ihren Gunsten zu nutzten, nicht zuletzt auch, um den Mangel an Ressourcen und Entscheidungsfreiheiten zu kompensieren.

Jenseits solcher allgemeinen Bemerkungen und einiger bekannter Einzelbeispiele sind allerdings die Verwaltungsstrukturen zur DDR-Musik bisher wenig bekannt, was wiederum entscheidenden Einfluss auf die Erforschung von Musik hat, die in der DDR unter diesen Bedingungen entstanden ist: Von Behörden und Institutionen sind Unmengen an Schrift-, Bild- und Audiodokumenten in Archiven überliefert. Die Herrschaftspraxis in ZK und Politbüro basierte dagegen häufig auf mündlichen Entscheidungen mit schwer rekonstruierbaren Notizen, Telefonaten und persönlichen Gesprächen, die allenfalls von Zeitzeugen erinnert und möglicherweise in Akten des Ministeriums für Staatssicherheit erwähnt werden (deren Glaubwürdigkeit jeweils zu prüfen ist).

Als Beitrag zur dynamischen Entwicklung der DDR-Musikforschung in den vergangenen Jahren möchte der Vortrag den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn musikbezogener Verwaltungsstrukturen aus mehreren Blickwinkeln diskutieren: Die Prioritätenverschiebungen von der Kunstmusik zur Unterhaltungsmusik, die Bedeutung von Peripherien (sowohl für konkurrierende staatliche Instanzen als auch Oppositionsbewegungen) sowie die Generationszugehörigkeiten von behördlichem Schlüsselpersonal.

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Datum: 30.9.2026

Uhrzeit: 11.30-12 Uhr

Ort: Universität Frankfurt, Konferenzraum IG 311

Mitwirkende: Michael Custodis