Lecture

Adenauers Musikdiplomaten. Kulturpolitische Strategien im Bonner Kanzleramt (1949-1955)

Miteinander - Musik und Politik (Symposium)

Als Konrad Adenauer im Jahr 1949 die erste westdeutsche Nachkriegsregierung übernahm, lag ihm bekanntlich eine kritische Aufarbeitung der NS-Verbrechen weitaus weniger am Herzen als die Integration der Bundesrepublik in westliche und europäische Bündnisse. Zeitgleich wuchs mit der Koreakrise die Sorge vor einem Dritten, nun mit Nuklearwaffen ausgefochtenen Weltkrieg, während bald darauf der Arbeiteraufstand in Ostberlin den Kalten Krieg verschärfte. Zwei zentrale Anliegen des ersten Adenauer-Kabinetts gingen daher Hand in Hand: einerseits eine europäische Gemeinschaft der kollektiven Friedenssicherung sowie andererseits die außenpolitische Sichtbarkeit der Bundesrepublik zur Bestätigung ihres deutschen Alleinvertretungsanspruchs.

An diesem Punkt kommt die Musik als repräsentativer Teil des deutschen Kulturlebens ins Spiel: Gelingen konnte die Versöhnung der europäischen Völker nur, wenn sie sich auch im Alltag der ehemaligen Kriegsgegner verankern ließ. Diplomatisch elegant und nachhaltig konnte man mit Musik an Stellen, die offizieller Repräsentationspolitik noch verschlossen waren, die Bundesrepublik als das friedliche Kulturland der Denker, Dichter und Künstler in Erinnerung bringen, das vor 1933 in aller Welt respektiert und bewundert worden war. Hierfür entwarf das Adenauer-Kabinett eine Doppelstrategie nach außen und innen: Großzügig subventionierte man Auslandstourneen von Künstlern und Orchestern (insbesondere der Berliner Philharmoniker) und ermöglichte den Wiederaufbau und Erhalt von Festspielen im eigenen Land – allen voran in Bonn und Bayreuth. Zugleich aber stand diese Staatsräson im Kontrast zur persönlichen Haltung von Konrad Adenauer und Theodor Heuss als den höchsten Repräsentanten der jungen Bundesrepublik, die ihre persönliche Anwesenheit auf dem Grünen Hügel stets ablehnten.

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Datum: 19. September 2021

Ort: Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus. Bad Honnef

Mitwirkende:

Michael Custodis